Wie wir später sehen werden, ist die Möglichkeit der Konstruktion von Paddel- und Segelkanus verschiedenster Art mit den mannigfachsten Eigenschaften außerordentlich groß. Dementsprechend gibt es eine Menge Kanutypen, aus deren Zahl der D. K. V. in sorgfältigster Weise seine Wahl derart getroffen hat, daß die von ihm aufgestellte, im Anhang des Buches wiedergegebene Bootstabelle geschickt umgrenzte Standart-Typen umfaßt, die wohl allen vernünftigen Anforderungen gerecht werden. Wir wollen nun die Eigenschaften einiger der hauptsächlichsten Kanutypen vom praktischen Standpunkt des Kanufahrers betrachten, um so einen überblick zu erhalten, welche von unseren Forderungen von diesem oder jenem Standard-Typ erfüllt werden.
Wenn sich jemand ein Paddelkajak bauen läßt, so wird er stets einen Typ zu wählen bestrebt sein, dessen Eigenschaften seinen Wünschen und Anforderungen am besten zu entsprechen scheinen. Eine der Hauptforderungen bezieht sich nun fast immer auf die zu erreichende Schnelligkeit; und zwar wird diese im höchsten Maße auch dann gewünscht, wenn es sich um ein Wanderboot handelt. Die Fortbewegung eines Paddelkajaks erfordert nun bei einer gegebenen Geschwindigkeit einen gewissen Kraftaufwand, dieser wächst bei steigender Geschwindigkeit unverhältnismäßig rasch. Die Grenze liegt also hier, roh gesprochen, in der körperlichen Kraft des Kanufahrers. Die Paddeltechnik, die unzweifelhaft nicht nur bei der Erreichung von Höchstleistungen über kurze Strecken im Rennkajak, sondern auch bei Dauerleistungen im Wanderkajak eine oftmals ausschlaggebende Rolle spielt, soll vorerst unberücksichtigt bleiben. Will man nun reine Schnelligkeitshöchstleistungen erzielen, so muß man vom Wanderkajak absehen und zum Rennpaddelkajak greifen, dessen drei Abmessungen: Länge, Breite und Tiefe und dessen Spantform und leichtes Bootsgewicht es zur Erzielung großer Geschwindigkeiten am geeignetsten erscheinen lassen. Eines der Hauptmerkmale des Rennpaddelkajaks ist die außerordentliche Schärfe seiner Form, das geringe Gewicht, die geringe Breite und die sich der Halbkreisform bedenklich nähernde Spantform.
Die Stabilität (= Sicherheit gegen seitliches Kentern) hängt nun wesentlich von zwei Faktoren, nämlich von der gewählten Breite und der Spantform, ab. Große Breite des Fahrzeugs sichert diesem Stabilität; sie wächst außerordentlich rasch mit der Vergrößerung der Breite, fällt aber ebenso schnell mit ihrer Verringerung. Ähnliches gilt von der Spantform. Ein halbkreisförmiges Spant, wie ihn etwa der im Wasser schwimmende runde Baumstamm besitzt, weist gar keine Stabilität auf. Er rollt, ohne seitlichen Widerstand zu bieten, im Wasser hin und her. Die denkbar größte Stabilität weist dagegen das kastenförmige Spant, also das im Querschnitt rechteckige Fahrzeug auf. Nächst diesem kommt die sich an die Rechteckform anschließende U-Spantform. Es ist nun aus dem Gesagten erklärlich, daß bei einem Rennpaddelkajak mit seiner außerordentlich geringen Breite und seiner annähernd halbkreisförmigen Spantform auf fast jegliche Sicherheit und Bequemlichkeit zugunsten der Erreichung größtmöglichster Schnelligkeit Verzicht geleistet werden muß. Will man dagegen ein bequemes, sicheres und in jedem Wetter zuverlässiges Wanderkajak haben, so muß man entsprechend den hier geforderten Eigenschaften eine größere Breite und eine stabilere Spantform wählen. Hier sind nun die Sicherheits- sowie die Bequemlichkeitsansprüche des Besitzer ausschlaggebend. Man beachte aber, daß der Erfolg im Kanubau, ebenso wie im Schiffbau, in der glücklichen Vereinigung von sich sonst widersprechenden Faktoren liegt. Wir wissen nun, daß die Sicherheit gegen das Kentern (= seitliches Umschlagen) hauptsächlich mit der zunehmenden Breite wächst, ebenfalls auch die Bequemlichkeit und der Stauraum. Andererseits sinkt aber die Schnelligkeit mit jedem Zentimeter zunehmender Breite. Es darf also auch die Breite bei dem Wanderkajak nicht übertrieben groß zugunsten der Bequemlichkeit auf Kosten der Schnelligkeit gewählt werden, da auch vom Wanderkajak der Grundsatz gilt, daß von zwei den gleichen Zwecken dienenden Booten dasjenige unbedingt den Vorzug verdient, das ohne Beeinträchtigung seiner Eigenschaften für Wanderzwecke das schnellste ist. Die Ursache für diesen jetzt allgemein gültigen und von jedem Kanufahrer anerkannten Grundsatz liegt in folgender Betrachtung: Erholung und Freude auf Wanderfahrten im Kajak sind umso größer, je weniger Kraftanstrengungen dem Körper zugemutet werden. Ist der Kanufahrer nach Beendigung seiner Fahrt infolge der Benutzung eines zu breiten und daher zu schweren und ungeeigneten Fahrzeugs von den Muskelanstrengungen derart mitgenommen daß er sich wie zerschlagen fühlt, so ist das sicherlich ,keine Erholung mehr zu nennen, am allerwenigsten aber ist es mit "Sport" zu bezeichnen. Es ist also sinnwidrig, wollte man ihm zumuten, wegen eines ungeeigneten Fahrzeuges mehr Kraft und Zeit auf eine bestimmte Wegstrecke zu verwenden, als unbedingt erforderlich ist.
Ist bei dem vörhin angeführten Rennkajak seiner hervorragendsten Eigenschaft, der Geschwindigkeit, alles geopfert, so sind beim Wanderkajak Sicherheit und Bequemlichkeit besser berück-
Die Stabilität (= Sicherheit gegen seitliches Kentern) hängt nun wesentlich von zwei Faktoren, nämlich von der gewählten Breite und der Spantform, al:1. Große Breite des Fahrzeugs sichert diesem Stabilität; sie wächst außerordentlich rasch mit der Vergrößerung der Breite, fällt aber ebenso schnell mit ihrer Verringerung. Ähnliches gilt von der Spantform. Ein halbkreisförmiges Spant, wie ihn etwa der im Wasser schwimmende runde Baumstamm besitzt, weist gar keine Stabilität auf. Er rollt, ohne seitlichen Widerstand zu bieten, im Wasser hin und her. Die denkbar größte Stabilität weist dagegen das kastenförmige Spant, also das im Querschnitt rechteckige Fahrzeug auf. Nächst diesem kommt die sich an die Rechteckform anschließende U-Spantform. Es ist nun aus dem Gesagten erklärlich, daß bei einem Rennpaddelkajak mit seiner außerordentlich geringen Breite und seiner annähernd halbkreisförmigen Spantform auf fast jegliche Sicherheit und Bequemlichkeit zugunsten der Erreichung größtmöglichster Schnelligkeit Verzicht geleistet werden muß. Will man dagegen ein bequemes, sicheres und in jedem Wetter zuverlässiges Wanderkajak haben, so muß man entsprechend den hier geforderten Eigenschaften eine größere Breite und eine stabilere Spantform wählen. Hier sind nun die Sicherheits- sowie die Bequemlichkeitsansprüche des Besitzer ausschlaggebend. Man beachte aber, daß der Erfolg im Kanubau, ebenso wie im Schiffbau, in der glücklichen Vereinigung von sich sonst widersprechenden Faktoren liegt. Wir wissen nun, daß die Sicherheit gegen das Kentern (= seitliches Umschlagen) hauptsächlich mit der zunehmenden Breite wächst, ebenfalls auch die Bequemlichkeit und der Stauraum. Andererseits sinkt aber die Schnelligkeit mit jedem Zentimeter zunehmender Breite. Es darf also auch die Breite bei dem Wanderkajak nicht übertrieben groß zugunsten der Bequemlichkeit auf Kosten der Schnelligkeit gewählt werden, da auch vom Wanderkajak der Grundsatz gilt, daß von zwei den gleichen Zwecken dienenden Booten dasjenige unbedingt den Vorzug verdient, das ohne Beeinträchtigung seiner Eigenschaften für Wanderzwecke das schnellste ist. Die Ursache für diesen jetzt allgemein gültigen und von jedem Kanufahrer anerkannten Grundsatz liegt in folgender Betrachtung: Erholung und Freude auf Wanderfahrten im Kajak sind umso größer, je weniger Kraftanstrengungen dem Körper zugemutet werden. Ist der Kanufahrer nach Beendigung seiner Fahrt infolge der Benutzung eines zu breiten und daher zu schweren und ungeeigneten Fahrzeugs von den Muskelanstrengungen derart mitgenommen, daß er sich wie zerschlagen fühlt, so ist das sicherlich ,keine Erholung mehr zu nennen, am allerwenigsten aber ist es mit "Sport" zu bezeichnen. Es ist also sinnwidrig, wollte man ihm zumuten, wegen eines ungeeigneten Fahrzeuges mehr Kraft und Zeit auf eine bestimmte Wegstrecke zu verwenden, als unbedingt erforderlich ist.
Ist bei dem vörhin angeführten Rennkajak seiner hervorragendsten Eigenschaft, der Geschwindigkeit, alles geopfert, so sind beim Wanderkajak Sicherheit und Bequemlichkeit besser berücksichtigt. In der glücklichen Verbindung zwischen ausreichender Stabilität, Bequemlichkeit und Schnelligkeit liegt also das hauptsächlichste Merkmal und zugleich der Vorzug dieses Wanderkajaks, wie es der D. K. V. in seiner Bootstabelle mit Klasse IIc bezeichnet hat. Es ist aber durchaus möglich, die Eigenschaften des Wanderkajaks veränderlich zu gestalten, da nur die Breite des Fahrzeugs nach unten mit 76 cm begrenzt ist. Es steht nun dem Besteller frei, im gegebenen Falle über diese untere Grenze hinauszu gehen. Er wird es tun, falls er noch mehr Sicherheit und Bequemlichkeit wünscht, wird dafür aber die geringere Geschwindigkeit mit in Kauf nehmen müssen.
Das Wanderkajak ist ausschließlich zum Paddeln bestimmt; nur bei Rückenwind wird zur Unterstützung der Paddel ein kleiner, dreieckiger Treiber von 2 bis 3 qm Segelfläche gesetzt.
Renn- und Wanderkajak sind also Kanutypen mit ganz verschiedenen Eigenschaften.
Zwischen diesen beiden Klassen haben wir dann noch das leichte Wanderkajak für Tagesfahrten mit nur 60 bis 65 cm größter Breite einzuschalten. Es steht gemäß seinem Zweck in bezug auf Sicherheit und Bequemlichkeit zwischen den beiden erstgenannten Typen. Entsprechend seiner Zwischenstellung bietet es daher dem Besitzer weniger Bequemlichkeit und Sicherheit wie das breitere Wanderkajak, ist aber schneller als dieses.
Die Segelkanus kann man in zwei große Gruppen einteilen: in die noch paddelbaren und in die reinen Segelkanus. Zu den letzteren rechnet man dann noch die Kanu-Yawls und die Kanukreuzer. Ihre hervorragenste Eigenschaft ist die Segelfähigkeit, die am ausgesprochensten beim reinen Segelkanu vorhanden ist. Die Segelkanus sind unter Verzicht auf Paddelbarkeit und Transportfähigkeit ausschließlich zum Segeln bestimmt. Das dazugehörige, meist in der Mitte teleskopierte Paddel dient hier nur als Notbehelf bei Eintritt völliger Flaute.
Die noch paddelbaren Segelkanus dagegen sind noch auf kürzere Strecken gut zu paddeln; auf längeren sind sie es infolge ihrer meist über 85 cm betragenden Breite und ihres großen Gewichtes wegen ebenfalls nicht mehr.
Folgendes soll dem Anhänger über die Grenzen der so oft zitierten Bootsbreiten der verschiedenen Kajaktypen gesagt sein: Normale Länge des Rumpfes (4,25 m bis 5 m) und die übliche Spantform vorausgesetzt, liegt die untere Breitengrenze eines Paddelkajaks für Tages- und Wanderfahrten etwa bei 60 cm Mindestbreite, die eines reinen Wanderkajaks bei 75 cm, die oberste bei 80 cm Höchstbreite. Man unterschreitet die unterste Grenze, wie wir gesehen haben, nur dann, wenn man zu einem gänzlich anderen Fahrzeugtyp, dem Rennpaddelkajak, greift. Die obere Grenze darf, wie wir gesehen haben, ebenfalls nicht überschritten werden, da sonst das Kajak im Gewicht zu schwer in der Breite und im Formwiderstand zu groß ausfällt, um sich auf längeren Strecken noch paddeln zu lassen. Mit zunehmender Breite wächst wegen des damit verbundenen völligeren Wasserlinien verlaufs auch der Formwiderstand. (Der Widerstand, den das Wasser der Fortbewegung des Rumpfes entgegensetzt.) Dazu kommt der ebenfalls zunehmende Luftwiderstand des oberen, aus dem Wasser hervorragenden Teils des Rumpfes, der ebenfalls mitzunehmender Breite größer wird. Erhöht man dann noch das Gewicht des Fahrzeugs durch den Einbau vOn Schwert und Segel, so ist die Grenze der Paddelbarkeit auch für kürzere Strecken bald erreicht; sie liegt bei etwa 90/95 cm größter Breite. Je schneller nun ein Kanu unter Paddel läuft, desto unbrauchbarer und kenterbarer ist es unter Segel. Die für den reinen Paddelgebrauch geeigneten leichten, schwertlosen Paddelkajaks von wenig er als 75 cm Breite sind nicht einfach dadurch in ein Sege1-kanu umzuwandeln, daß man Schwert und Segel hineinbaut; es mangelt ihnen die nötige Stabilität zum Tragen der Segel. Diese segeltragende Kraft beginnt beim Kanu erst bei einer größten Breite von 90 cm, - geeignete Spantform vorausgesetzt -. Die hierzu bestimmte Segelfläche darf auf Grund praktischer Erfahrungen 7,5 qm nicht überschreiten. Die Anwendung von 10 qm Segelfläche verlangt schon eine Mindestbreite von 110 cm.
Das soeben über die beiden großen Gruppen der Paddelkajaks und der Segelkanus Gesagte gilt sinngemäß auch für die dritte Gruppe, für die Kanadier. Da diese aber infolge ihrer weicheren Spantform eine geringere Sicherheit gegen das Kentern bieten, so hat der D. K. V. die geringste Breite der Rennkanadier mit 75 cm, der Tages- und Wanderkanadier mit 80 cm - beide Maße gelten für den Einer - begrenzt.